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Bericht erste Online-Konferenz

Enorme Herausforderungen durch Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel

Extreme Wetterereignisse, steigende Winter-Temperaturen und Umweltgefährdungen – der Klimawandel ist eine enorme Herausforderung für viele Lebensbereiche. Von den über 40 Teilnehmern der ersten Online-Konferenz zur Auseinandersetzung mit einer resilienten Entwicklung der LEADER-Region Traun-Alz-Salzach, die für die Erstellung der neuen Entwicklungsstrategie notwendig ist, wurde intensiv über Gefährdungen und bereits vorhandene resiliente Ansatzpunkte für mehr Klimaschutz und eine Anpassung an den Klimawandel diskutiert. 

Für die Kommunen sind aktuell Sturzfluten und Überschwemmungen gefährlich und vor Kurzem war beispielsweise Tyrlaching betroffen. Mehrere Bürgermeister konnten hierzu berichten, dass in ihrer Gemeinde bereits sogenannte Sturzflut-Risikomanagements zum Einsatz kommen und das Sturzflutmanagement der Integrierten Entwicklung ILE „Waginger See – Rupertiwinkel“ ist sogar ausgezeichnet worden. Neben Traun, Alz und Salzach haben dabei auch die Flüsse 3. Ordnung Bedeutung und in größerem Zusammenhang wurde auf den Ab- und Zufluss vom Chiemsee hingewiesen. Ob dort Regulierung möglich sind, konnte noch nicht geklärt werden. In Tacherting wird aktuell ein Hochwasserdamm für einen Siedlungsbereich gebaut. Weitere Anpassungsmöglichkeiten liegen in Regenrückhaltebecken oder Versickerungskanälen, die das Regenwasser wieder dem Grundwasserkreislauf zuführen sowie in Zisternen für die private Regenwassernutzung, die auch in den Bebauungsplänen vorgesehen werden können. „Damit wird Trinkwasser gespart und bei Starkregen weniger Wasser in Vorfluter geführt“, wurde ergänzt.  Wichtig sei dabei eine gute Beratung der privaten Bauherrn und Bewusstseinsbildung, damit die planerischen Vorgaben auch tatsächlich eingehalten und unnötige Versieglungen vermieden werden, wurde erklärt. Eine immer größere Rolle spielen die Privat-Gärten, die sich positiv auf das Kleinklima auswirken können und den gesundheitlichen Belastungen durch die Temperaturveränderungen entgegenwirken. Hier könnte die LEADER-Aktionsgruppe anregen, dass die Gärten ökologischer ausgerichtet werden und Qualifizierungen anbieten. Außerdem würde es sich anbieten, die Einfriedungen der Grundstücke zu überprüfen. Offene Heckenpflanzungen sind oft sinnvoller, auch für Artenschutz.

Ebenso wichtig für die Kommunen ist der Klimaschutz und es wurde eine Plattform für erneuerbare Energien angeregt, die evtl. auf Ebene der LEADER-Region eingerichtet werden kann, um diesen Handlungsbereich in Zukunft weiter auszubauen. Gute Beispiele gibt es bereits beim klimafreundlichen Bauen und bei den Wärmenetzen, die über das Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel angeschoben werden. Noch zu klären ist, wie mit der Windenergie umgegangen werden soll. Um den CO2-Austausch weiter zu verringern, laufen derzeit auch Berechnungen zum Energieverbrauch und mehrere Gemeinden haben ein Energiemanagement. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist auch für die hiesigen Unternehmen wichtig, um Wettbewerbsvorteile generieren zu können, wurde als weiterer Aspekt genannt. Außerdem wurde vorgeschlagen, Dächer von Gewerbegebäuden und -flächen zu begrünen. Begrünte Dächer sind auch bei privaten Garagen möglich.

Im Fokus der Online-Konferenz standen auch bestimmte Umweltgefährdungen und der Klimawandel wirkt sich auf die Verbreitung von Schädlingen auf die Nutz- und Anbaupflanzen aus. Als Beispiele wurde der Borkenkäfer oder der Maiszünsler genannt, wobei die Ausbreitung des Maiszünslers auch in Zusammenhang mit der Zunahme des Maisanbaus und der Änderung der Kulturführung (Stichwort Monokultur) in der Region steht, wurde erläutert. Für die Forstwirtschaft liegen die zukünftigen Herausforderungen vor allem im Waldumbau und im Einsatz von klimaresistenten Baumarten, lautete die Einschätzung. Problem in der Landwirtschaft hingegen ist vor allem die Bodenverdichtung und dass der Regen nicht mehr richtig versickern kann. Ein Teilnehmer sah dafür mit als Ursache, dass es im Winter keinen Frost mehr gibt und die Ackerböden dadurch nicht mehr so aufgelockert werden wie früher. Zukünftige Anpassungen liegen im Einsatz von umweltschonenden Maschinen, widerstandsfähigen Pflanzen und Agroforstsystemen wie Baumstreifen und Hecken, die dazu beitragen, dass das Wasser länger im Boden verfügbar bleibt. „“Wir brauchen insgesamt wieder mehr Strukturen in der Landwirtschaft“ wurde zusammengefasst und auf die Ökomodellregion im Landkreis Altötting sowie auf eine Initiative der Landwirte zum Humusaufbau verweisen, den auch als C02-Ausgleich hergenommen werden kann. Bedeutung für den Klimaschutz in der Region haben auch die Moore und Feuchtgebiete sowie die Auwälder und Brennen an der Alz und Traun. Brennen sind flussbegleitende, offene Trockenstandorte der Auen, die entstehen, wenn ein Fluss kiesiges Geschiebe ablagert, z. B. bei Hochwasser.

3 Gedanken zu „Bericht erste Online-Konferenz“

  1. Liebe Frau Lilienbecker,
    danke für die kompakte Zusammenfassung unserer Diskussion, die wie in einem bunten, artenreichen Gemüsegarten viele Aspekte angeschnitten hat.
    Jetzt braucht es gute Gärtner, die für eine erfolgreiche Ernte sorgen.
    Mit besten Grüßen aus Petting

    Dr. Ute Künkele

  2. Hallo Alle zusammen,
    zunächst einmal herzlichen Dank für die stimmige Zusammenfassung der onlinekonferenz …
    was sich nach einer kompakten und intensiven Diskussion ‚liest‘ – war allerdings in dem Format [alle immer auf einer Plattform zusammen] aus meiner Sicht so nicht zu erleben.

    Die zusammengetragenen Stichworte und Themen sind gut und wichtig; ich würde mir allerdings wünschen, dass wir bei nächten Terminen auch die Möglichkeit haben [zumindest für kurze Zeit in kleineren Gruppen einzelne Begriffe und Themen tiefer auszuloten]. Das ist ja auch in einer zoom-konferenz machbar.

    Damit ein neue LES wirksam wird brauchen wir aus meiner Sicht unbedingt PRÄSENZ und direkte Gespräche – Kreativität als Kapital entsteht zwischen den Menschen – das sollten wir nutzen.

    Für die neue LES braucht es auch ein Rückblick, welche Ziele und Handlungsfelder aus der Saison 2014_2020 weisen schon in die neuen Themen:
    _ wo waren wir warum erfolgreich ?
    _ was lassen wir besser bleiben ?
    _ welche Anpassungen brauchen wir ?
    _ welche neuen Potentiale kommen über die neuen Mitglieder ?

    und wir sollten uns vor allem über den Begriff RESILIENZ austauschen
    … da gibt es in jedem Themenfeld viele Aspekte.

    Gruß aus Tyrlaching
    Lothar Müller
    Projektmanagement ‚Lebendige Dorfmitte Tyrlaching‘

    1. Lieber Herr Müller,
      ja, wir werden auch Präsenzveranstaltungen machen, sobald die Corona-Situation es zulässt. Eine Evaluierung hat ja bereits stattgefunden, da wurden die angesprochenen Themen diskutiert.
      Gruppenarbeit halten wir in diesem Format erst einmal nicht geeignet. Wir haben einen straffen Themenplan und bis eine Gruppe ins arbeiten kommt, ist die Zeit rum. Aber es wird bei der Strategiewerkstatt Zeit und Raum für Diskussion auch in kleinen Gruppen geben. Im Frühling, wenn die Sonne scheint und wir uns wieder „in Echt“ treffen können.
      Viele Grüße,
      Ulrike Lilienbecker

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