Die Zukunft der Kulturlandschaft von Traun-Alz-Salzach – Gefährdungen und Ansätze zum Schutz der natürlichen Ressourcen diskutiert

Auf viel Interesse stieß auch die 2. Online-Konferenz der LEADER-Region Traun-Alz-Salzach, die am 7. Februar im Rahmen der Auseinandersetzung mit einer resilienten Entwicklung zu den Themen Ressourcenschutz, Artenvielfalt und Kulturlandschaft stattfand. 38 Teilnehmer diskutierten aktuelle Gefährdungen und Strategien für die Zukunft.

Gleich zu Beginn der Online-Konferenz wurde herausgearbeitet, dass die Kulturlandschaft von Traun-Alz-Salzach eine besondere ist. Denn im Gegensatz zu anderen ist die Landschaft hier kleinstrukturiert und durch die Eiszeiten geprägt und es gibt zahlreiche Moore. Außerdem Tiere auf der Weide, Vierkanthöfe, vier große Flüsse und eine Grenze zum Nachbarn Österreich sowie mehrere Industriestandorte, wurde schnell aufgezählt und weiter auf die Notwendigkeit verwiesen, die Kulturlandschaft nicht nur touristisch, sondern vor allem für die eigene Bevölkerung erlebbar zu machen, beispielsweise durch Spazier- und Radwege.

Zu den natürlichen Ressourcen der Region zählen die Wiesen und Weiden, die vor allem im Bereich der Ökomodellregion „Waginger See – Rupertiwinkel“ dominieren. „Bei uns liegt der Grünlandanteil bei 80 Prozent und das hat eine hohe Bedeutung für den Humuserhalt und den Grundwasserschutz“, konnte eine Vertreterin anschaulich berichten. Als Gefährdung wurde jedoch von der Diskussionsrunde eingeschätzt, dass der Anteil der Wiesen und extensiven Grünlandflächen in den letzten Jahren spürbar zurückgegangen ist. LEADER könnte, um dem entgegenzuwirken, einen zukünftigen Schwerpunkt bei den Wiesen setzen, wurde vorgeschlagen. Möglich sei auch ein Konzept für eine differenzierte Gründlandbewirtschaftung, um die Bewirtschaftung nachhaltiger gestalten zu können. Ergänzend wurde für den Waginger See noch bemerkt, dass manchmal zu nah und in Richtung des Sees geackert wird, wodurch die Gefahr besteht, dass durch Gülle und Dünger zu viel Stickstoff in den See gelangt. 

Wird der ausgebrachte Stickstoffdünger nicht durch die Pflanzen aufgenommen, kann er als Nitrat das Grund- und Trinkwasser gefährden. Die Reduzierung des Nitratgehalts ist ein wichtiges Thema in der Ökomodellregion „Inn-Salzach“, wo der Ackerbau vorherrscht und Mais großflächig angebaut wird. „Zusammen mit unseren Landwirten haben wir ein Grundwasserschonprogramm aufgelegt und bereits erste Erfolge erzielt“, konnte ein Bürgermeister dazu berichten und hob die direkte Kommunikation mit der Bauern als zentralen Ansatz hervor. Als Vorteil für die Zukunft wird von den Kommunen dabei gesehen, eine kleinräumige Trinkwasserversorgung aufrecht zu erhalten, statt von der Fernwasserleitung abhängig zu sein. Auch das ist ein Beitrag zur Resilienz.

In Bezug auf das Insektensterben und den Rückgang der Brutvögel wurden Ackerschutzprojekte wie Blühstreifen am Feldrand oder sogenannte Lerchenfenster genannt, die bereits erfolgreich umgesetzt wurden. Das sind gezielt angelegte Freiflächen in Getreidefeldern, die den Bodenbrütern Schutz bieten. Auch die Privatgärten, die bei der ersten Online-Konferenz bereits angesprochen worden sind, wurden noch einmal angesprochen. Um das Ortsbild zu begrünen, Schottergärten zu vermeiden und so letztendlich Klimavorsorge zu betreiben, könnte ein Gartenwettbewerb über LEADER initiiert werden, lautete die Anregung. Das würde aktuell auf eine breite Zustimmung in Bevölkerung stoßen, waren sich mehrere Teilnehmer sicher: „Denn die Menschen legen heutzutage mehr Wert auf Ökologie!“ 

Außerdem gibt es eine Art Renaissance bei den Hecken und Wildgehölzen, die sowohl in der freien Landschaft als auch in privaten Gärten Fauna, Flora und den Boden schützen, wurde festgehalten, was sogleich zu weiteren Ideen für einen Heckenwettbewerb weitergesponnen wurde: 1 Kilometer Hecke pro Gemeinde, 1 Meter Hecke pro Einwohner bis hin zur Goldmedaille für die meisten Heckenpflanzungen. Wichtige Hinweise gab es noch zu Renaturierung der Weiher, da diese zum Teil verlanden und noch als Löschteiche benötigt werden, sowie zu mehr Jagd im Wald, um dem starken Wildverbiss entgegenzuwirken und den Wald auch für den Klimawandel zukunftsfähig zu machen. Zum Schluss wurde im Chat noch auf das Thema Flächenverbrauch in Bezug auf den Erhalt der kleinstrukturierten Landschaft ergänzt. Der Flächenverbrauch soll bei der nächsten Online-Konferenzen angesprochen werden.

3 Gedanken zu „Bericht zweite Online-Konferenz“

  1. Danke, liebe Frau Englmaier für die Richtigstellung. Vielleicht sind es 80 % extensive Bewirtschaftung im Gründlandanteil? Das klärt sich sicher auf. Danke auch für den Link, eine wertvolle Quelle. Viele Grüße, Ulrike Lilienbecker

  2. Das Thema „Ortsbegrünung“ wurde nicht im Rahmen eines Gartenwettbewerbs diskutiert, sondern sie wäre ein wichtiger Part für mehr Wasserrückhalt, bei sogenannten „Schwammstadt-Konzepten“, die ideal z.B. für die Stadt Tittmoning als Vorbereitung für die Landesgartenschau geeignet wären, aber auch für weitere Gemeinden. Hier geht es um eine sehr aktive Ortsbegrünung auf Dächern, an Fassaden und sowohl auf kommunalen als auch auf privaten Flächen, unter Einbezug der Kommunen und der BürgerInnen. Diese aktive Ortsbegrünung dient nicht nur dem Wasserrückhalt bei Starkregen, sondern ist auch aktive Klimavorsorge gegen Überhitzung – ein Grundthema für eine resiliente Strategie. Darüber hinaus hätte sie positive Effekte für die Artenvielfalt, das Ortbild und den Tourismus.

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