Zum Inhalt springen

Bericht dritte Online-Konferenz

Vitale Orte für die resiliente Entwicklung

3. Online-Konferenz zu Daseinsvorsorge, Wohnen und Mobilität

Ausgehend von einer Bevölkerungsprognose, wonach die LEADER-Region Traun-Alz-Salzach bis 2033 weiter moderat wachsen wird, wurden bei der dritten Onlinekonferenz Herausforderungen im Bereich Daseinsvorsorge, Wohnen und Mobilität diskutiert und die Entwicklung von vitalen Orten als zentrales Element vorgeschlagen, um in Zukunft resilienter aufgestellt zu sein. Mit 47 Teilnehmern war auch diese Veranstaltung wieder gut besucht.

Laut der Bevölkerungsstatistik kommen die 24 Kommunen der LEADER-Region Traun-Alz-Salzach auf insgesamt 128.768 Einwohner (Stand 30.06.2021) und zusammen sind sie damit bereits größer als so mancher Landkreis. Bis zum Jahr 2033 gehen die Statistiker von einem weiteren Anstieg für Traun-Alz-Salzach auf 130.930 Einwohner aus, was einem Zuwachs von 2,1 Prozent gegenüber 2019 entspricht. Allerdings kann dies nur als eine grobe Schätzung verstanden werden, wurde zu Anfang der Online-Konferenz klargestellt, da sich die Berechnungen u. a. auf Annahmen aus der vergangenen Entwicklung stützen. Außerdem sei es problematisch, wenn aus diesen statistischen Prognosen „starre“ Vorgaben abgeleitet werden. „Denn das Leben der Menschen hält sich nicht immer an das, was die Planung vorgibt“, wurde gesagt. Und um in Zukunft widerstandsfähig zu bleiben und flexibel (resilient) auf Veränderungen reagieren zu können, müssen die Gemeinden ihren Gestaltungsspielraum behalten und nutzen können, lautete eine Schlussfolgerung. 

Hintergrund dazu ist, dass der Regionalplan Südostbayern gerade in Fortschreibung ist und neue Vorgaben für die zukünftige Siedlungsentwicklung enthalten wird. Anpassungsbedarf gibt es auch bei der Einstufung „Raum mit besonderem Handlungsbedarf in Bayern“, wozu Burgkirchen a.d. Alz, Garching a.d. Alz, Marktl, Traunreut, Trostberg, Tyrlaching zählen. Da diese Einstufung aus dem Jahr 2018 stammt, sollte sie angepasst werden, wurde angeregt.

Neue Entwicklungen gibt es beim Thema Wohnen, wo heutzutage neue Möglichkeiten und moderne Wohnformen gefragt sind, bei denen vor allem die Qualität des Wohnens im Vordergrund steht, war ein weiterer Diskussionspunkt. In Kirchanschöring versucht man dies beispielsweise durch Umnutzungen im Innenbereich zu realisieren. In Tittmoning wird auf einer Brache ein neues Stadtviertel mit verschiedenen Wohnformen durch die Bürgerinnen und Bürger entwickelt. Aus Haiming wurde von einem mehrstöckigen Gebäude berichtet, wo flexible Nutzungen für Wohnen, Büro oder Begegnung durch intelligente Raumschnitte möglich sind. Und in Altötting gibt es z. B. das „Mietshäuser Syndikat“, das bei selbstbestimmten Hausprojekten hilft. In ländlichen Gemeinden spielen aber auch die Einfamilienhäuser eine Rolle. Wichtig ist, eine Vielfalt zu entwickeln und das Thema praxisorientiert und nicht ideologisch anzugehen. 

Auch Funktionstrennungen (Wohnen da, Gewerbe da), wie seit den 1960er-Jahren üblich, sind nicht mehr überall zukunftsfähig. Wohnen und Arbeiten an einem Ort spart Ressourcen und Lebenszeit und dient der Resilienz. So werden in Zukunft „vitale Orte mit vielfältigen Funktionen“ benötigt und es müssen soziale Räume bzw. kompakte Gebiete mit lebenswerten Strukturen für Jung und Alt geschaffen werden. 
Weiterer Diskussionspunkt war die Nahversorgung. Hier wurde festgestellt, dass in bestimmten Ortsteilen die Einkaufsmöglichkeiten fehlen, weil die kleinen, meist inhabergeführten Läden bereits schließen mussten und die Konkurrenz durch die Supermärkte groß ist. Jedoch besteht durchaus Bedarf für Dorfläden, lautete die Einschätzung, die vor allem für die älteren Einwohner Bedeutung haben, auch als sozialer Treffpunkt. Damit Dorfläden jedoch heutzutage funktionieren können, wurde auf das Beispiel in Asten verwiesen, wo sich die Dorfgemeinschaft um ihren Laden kümmert. Außerdem sind Kombinationen mit Eigenvermarktung, Café oder Catering für den Betrieb des Ladengeschäfts wichtig und das Lebensmittelhandwerk und die Bereitschaft regional einzukaufen müssen gestärkt werden. „Entscheidend ist immer, wie die Angebote vor Ort, auch wenn sie etwas teurer sind, angenommen werden,“ wurde im Chat dazu ergänzt. 

Handlungsbedarf besteht auch noch bei der Mobilität, die als entscheidend für die Attraktivität der Region eingeschätzt wurde. Zur Verbesserung des ÖPNV wird zurzeit eine Mobilitätsstudie vom Landkreis Traunstein erarbeitet, wurde berichtet. Die Ergebnisse werden bald vorgestellt und können evtl. bei der geplanten Präsenzveranstaltung für die Erarbeitung der neuen LES im Frühjahr einfließen. Außerdem wurde auf kleine Busse, E-Bike und die Förderung des Radverkehrs hingewiesen. Im Zusammenhang mit der Mobilität steht auch die gesundheitliche Versorgung und die damit die Frage, wie die Menschen zum Arzt kommen. Aktueller Bedarf besteht auch noch bei der Hebammenversorgung.


Die Grafiken zur Bevölkerungsentwicklung und -prognose finden Sie hier: https://www.leader-blog-tas.de/daten/

2 Gedanken zu „Bericht dritte Online-Konferenz“

  1. Ich möchte darauf hinweisen, dass das Lebensmittelgeschäft in Asten kein Dorfladen, geführt von den Dorfbewohnern ist, er wird von der Geschäftsinhaberin Fr. Szabo geführt. Das Dorfwirtshaus in Asten ist eine Genossenschaft der Bürger.

  2. Liebe Frau Aicher,
    vielen Dank für die Korrektur. Werden wir für die neue LES berücksichtigen.
    Viele Grüße
    Jens Lilienbecker

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.