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Bericht vierte Online-Konferenz

4. Online-Konferenz diskutiert über die Stärkung der Wertschöpfung und der Wirtschaftskreisläufe in der LEADER-Region Traun-Alz-Salzach

Bei der letzten der vier Online-Konferenzen am 7. März für die Erarbeitung der neuen Entwicklungsstrategie diskutierten 36 Teilnehmer über resiliente Ansätze zur Stärkung der regionalen Wertschöpfung und wie eine vermehrte Wertschätzung dessen, was vor Ort produziert wird, erreicht werden kann.

Den Anfang der Diskussion machte eine Vertreterin des Chiemgauer, mit dem die Bürger seit über 20 Jahren in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein neben dem Euro bezahlen können. Weil durch die Regionalwährung das Geld in der Region bleibt und die regionalen Wirtschaftskreisläufe gestärkt werden, regte sie an, den Chiemgauer zukünftig auch auf Traun-Alz-Salzach auszudehnen. 

Weiter wurden die regionalen Absatzwege und Wertschöpfungspartnerschaften für die hiesige Lebensmittelproduktion in den Blick genommen. Aus der Ökomodellregion Inn-Salzach konnte dazu berichtet werden, dass es gelungen ist, eine Marktschwärmerei aufzubauen. Das ist eine Kombination aus Online-Shop und Bauernmarkt, bei der die Bauern und handwerklichen Lebensmittelbetriebe ihre Produkte auf einer Online-Plattform anbieten. Die Produkte können dann bestellt und einmal pro Woche am Altöttinger Bahnhof abgeholt werden. Ein großer Abnehmer für Bio-Getreide ist Barnhouse in Mühldorf am Inn, der den Biodinkel und -hafer für das Knuspermüsli über eine Erzeugergemeinschaft bezieht, zu der auch mehrere Betriebe aus der LEADER-Region zählen. Weiteres Potenzial liegt in der Gemeinschaftsverpflegung wie z.B. bei größeren Betrieben, Schulen oder Krankenhäusern. Voll im Trend liegen auch die Regional-Regale in den Supermärkten und in Traunreut ist der wöchentliche Bauernmarkt eine gute Adresse für die Direktvermarkter, wurde ergänzt. Neben den Ökobauern dürfen auch die konventionellen Landwirte aus der Region nicht vergessen werden, war einem Teilnehmer jedoch wichtig.

Für die Zukunft von Landwirtschaft und Ernährung wurde generell formuliert, die Vermarktungsstrukturen für „Lebensmittel aus eigener Produktion“ weiter auszubauen und die regionalen Produkte, sei aus der Landwirtschaft, von den Lebensmittelhandwerkern wie Bäcker oder Fleischer oder aus dem Handel als „die wahren Schätze“ anzusehen und dies auch über den Geldbeutel zu zeigen: „Entscheidend ist die Überzeugung, vor Ort einzukaufen und mehr dafür zu werben“, wurde weiter skizziert. Beispielsweise mit einer Traktorfahrt durch den eigenen Ort, wie über eine eher ungewöhnliche Promotion-Aktion in einer Gemeinde ausgeführt wurde. Insbesondere für das Handwerk wurde die Nachwuchsförderung als wichtiges Ziel aufgenommen. Und neue Entwicklungen gibt es im Handel, wo größere Städte versuchen, ein Online-Portal aufzubauen, um die Wettbewerbsfähigkeit des stationären Einzelhandels zu stärken.

Bedeutung für die LEADER-Region hat auch die Wertschöpfungskette Tourismus: „Je mehr Geld die Touristen ausgeben, und je mehr davon der Region bleibt, desto größer ist die regionale Wertschöpfung“, lautete die Ausführung und als Konsequenz wurde genannt, dass auch die Vermieter Produkte aus der Region vermehrt einsetzten sollten. Ein akutes Problem im Tourismus ist jedoch der Personalmangel, wurde angeführt. Zur Wertschöpfung in der Region trägt auch die Nutzung von regionaler Energie bei. Konkret wurden private Fotovoltaik-Anlagen sowie das Biomasse-Kraftwerk mit angeschlossenem Wärmenetz in Traunreut genannt. Aus Gründen des Klimaschutzes, aber auch um weniger abhängig von (russischem) Öl und Gas zu sein, wurde gefordert, den Ausbau der erneuerbaren Energien weiter anzukurbeln und als Beispiel auf den Ausbau der Windkraftanlagen verwiesen: „Windenergie möglichst in Bürgerhand, damit die Wertschöpfung auch wirklich in der Region bleibt.“ 

In Bezug auf die regionale Wirtschaft schlug ein Bürgermeister vor, ein Treffen aller Gewerbebetreibenden abzuhalten, damit sich die Unternehmen gegenseitig (besser) kennenlernen. Als Rahmen würde sich dafür evtl. anbieten, die Hausmessen zu nutzen, die von den Landkreisen organisiert werden. Auch eine landkreisübergreifende Hausmesse Altötting-Traunstein ist möglich, wurde von anwesenden Vertretern der Wirtschaftsförderung bestätigt. Außerdem wird als sinnvoll erachtet, eine Analyse der Betriebe in der Region durchzuführen, um weitere Kooperationsmöglichkeiten anzubahnen.

In diesem Zusammenhang wurde die Gemeinwohlökonomie kurz erläutert, bei der es um nachhaltiges Wirtschaften geht, das sich an Gemeinwohl-Werten orientiert. Als erste Kommune Deutschlands hat Kirchanschöring bereits 2018 eine Gemeinwohl-Bilanzierung vorgenommen. Vonseiten der LEADER-Aktionsgruppe ist nun ein Kooperationsprojekt mit Luxemburg und Österreich zu diesem Thema in Planung. Außerdem wurde das Vergaberecht thematisiert, das insbesondere öffentliche Auftraggeber anwenden müssen, um die Regeln des Wettbewerbs einzuhalten. Damit Güter und Leistungen den Zuschlag bekommen können, die aus der Region stammen, umweltfreundlich oder gemeinwohlorientiert sind, bietet das Vergaberecht gewisse Spielräume, die den meisten aber nicht bekannt sind, wurde in der Diskussion deutlich. Um dem abzuhelfen, wurde vorgeschlagen, ein Seminar zum Vergaberecht für alle Kommunen von Traun-Alz-Salzach anzubieten.

Noch keinen resilienten Ansatz gibt es hingegen zur regionalen Kultur, die für die LEADER-Region eine wichtige Rolle spielt, die aber zugleich durch die Corona-Pandemie wohl am meisten gelitten hat, war eine abschließende Meinung. Darum soll die Kultur in der nächsten Veranstaltung für die Erarbeitung der Entwicklungsstrategie am 2. Mai (Strategiewerkstatt) um 19:30 Uhr in Präsenz eine besondere Rolle spielen. Der Ort wird noch festgelegt.

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